Kein Erfolg im Beruf: Manchmal liegt der Schlüssel im Elternhaus
„Wir können Kinder nicht erziehen, die machen uns eh‘ alles nach.“
Karl Valentin hat mit dieser Betrachtung durch seine humoristische Brille wohl nicht nur das “Kopieren” von vielen Eigenschaften der Eltern durch ihre Kinder in den ersten Lebensjahren gemeint. Dieser “Kopiervorgang” geht auch weit über die ersten 10 Jahre der neuen Erdenbürger hinaus. Sie beobachten uns erwachsene Eltern genau und meinen – zumindest spätestens bis zur Pubertät – dass wie wir unser Leben meistern auch für Sie ein gangbarer Weg sei. Unwidersprochen und ohne große Kritik. In den Jugendjahren flaut dieser “Trend” natürlich ab, da geht es dann eher um Abgrenzung, um das “Anders-sein”. Dennoch sind die Prägungen aus der Kindheit nicht auszulöschen – spätestens, wenn der junge Mensch die ersten Partnerschaften eingeht, kommen diese wieder zutage. Und zu guter Letzt mit Sicherheit dann, wenn diese Person dann selbst eine Familie gründet.
Dann können diese Prägungen, Wertvorstellungen, Vorurteile etc. sogar hinderlich sein. Dieser Klotz geht dann weit über den privaten Bereich hinaus und kann auch beruflich ziemliche Spuren hinterlassen.
Die “bösen” Unternehmer
Ein “Klassiker”, der uns auch in vielen Systemaufstellungen begegnet, ist beispielsweise ein Elternhaus, in dem folgendes Credo gilt:
Alle Unternehmer sind Halsabschneider und sind nur auf das Geldverdienen aus. Die benutzen uns Arbeiter nur.
Also gut, der junge Mensch hört sich diese Aussagen immer und immer wieder an – und wird schließlich selbst erwachsen. Vielleicht stimmt er als Erwachsener immer noch ganz offen diesem Vorurteil seiner Eltern zu. Aber vielleicht misst er heute den Aussagen von damals wenig Bedeutung zu und wagt den folgenschweren Schritt: Er wird selbst selbstständig. Er ist plötzlich einer von diesen Unternehmern.
Auch wenn vielleicht anfangs das Geschäft noch gut laufen zu scheint, stottert in irgendeiner Lebensphase der unternehmerische Motor der besagten Person. Die Umsätze und Deckungsbeiträge gehen zurück, Stammkunden brechen weg, die Neukundenakquise wird immer mehr zum Spießrutenlauf etc.
In dieser Phase kommen diese Unternehmer in meine Praxis. Sie können es sich einfach mit logischen Argumenten nicht erklären, warum der unternehmerische Erfolg sich plötzlich nicht mehr einstellt. Sie sind verzweifelt. Unternehmensberater haben bereits zig-mal die Firma durchleuchtet – jede Umstrukturierung hat nicht den gewünschten Erfolg gezeigt.
Ans Eingemachte
Dann, etwa bei einem Coaching oder bei der Vorbereitung auf eine Systemaufstellung, kommen wir auf den “Halsabschneider”-Glaubenssatz, den der Klient von seinen Eltern gehört hat. Die weitere Arbeit besteht dann für den Klienten, dass er sich in voller Wertschätzung seiner Eltern von dieser Wertvorstellung lösen kann, um frei als Unternehmer agieren zu können. Dies ist oft ein sehr emotionaler und manchmal auch langwieriger Prozess. Dennoch schaffen es sehr viele, diesen “Rucksack” dort zu deponieren, wo er hingehört.